Burn-Out, ein Leben in Hochgeschwindigkeit

Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Situationen, in denen wir uns voll und ganz konzentrieren müssen, um mehrere Dinge gleichzeitig zu machen: Während einer Autofahrt telefonieren wir mit einem Kunden, warten ungeduldig darauf, dass auf unserem Blackberry eine Auftragsbestätigung eingeht und sind in Gedanken bereits beim in zwei Stunden startenden Meeting.

In unserer Welt, die nicht zuletzt durch eine Perfektionierung unterschiedlicher Kanäle der statischen und mobilen Kommunikation immer schneller wird, dreht sich der Mittelpunkt unseres Lebens um das Thema Arbeit. Selbst der wohlverdiente Feierabend verschwimmt mehr und mehr mit der Geschäftszeit. Ob E-Mail, Fax, Blackberry oder Handy - wir sind immer und überall erreichbar. Ständig begleitet von der Angst, etwas verpassen zu können oder nicht die Leistung zu erbringen, die uns von den Kollegen unterscheidbar macht.

Kein Wunder, denn die Schlagzeilen der Medien sind geprägt von Modewörtern wie Hartz IV, Ein-Euro-Jobs, Standortverlagerungen, Streichung von Mitarbeiterkapazitäten, Globalisierung und Insolvenzen. Da auch eine solide Ausbildung und ein perfekter Lebenslauf kein Garant für eine Stelle sind, leben wir in der ständigen Angst, morgen auf der Straße sitzen und unseren Lebensstandard durch ein gekürztes Budget nicht mehr halten zu können. Dadurch wäre auch automatisch der hart erarbeitete gesellschaftliche Rang verloren.

Die Welt ist zusammengeschrumpft: Dank digitaler Kommunikation, neuer Infrastrukturen in den Bereichen Transport und Automation, Mehrsprachigkeit und angeborenem Flexibilitätsinstinkt ist China nur noch einen Steinwurf entfernt. Der Riese erwacht und Millionen und Abermillionen von Arbeitern warten nur darauf, für die Welt zu produzieren. Im Reich der Mitte werden inzwischen mehr hochbegabte Kinder pro Jahr geboren als es in den USA überhaupt gibt.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass diese irgendwann undere inländischen Managerposten übernehmen, aber all diese vielen kleinen Faktoren tragen dazu bei, dass unser Leben in Hochgeschwindigkeit stattfindet. In einigen Berufskreisen ist es sogar fast ein Kompliment an Burnout zu leiden, denn es bestätigt, dass man die Leistung erbringt, die man erbringen sollte.

Dabei ist Burnout ist spätestens seit dem Tag kein Grund zur Rechfertigung von Überstunden und Dienstreisen mehr, seitdem es im IDC-10, einer internationalen Klassifizierung aller Erkrankungen zu finden ist. Unter dem Schlüssel Z73.0 sind die Symptome erfasst, die uns das Leben zur Hölle machen.

Wenn der Beruf zum Mittelpunkt des Lebens wird, langsam aber beständig soziale Kontakte einschlafen, weil man keine Schnittmenge der freien Zeit der Terminkalender findet und sich das Gefühl einschleicht, weniger Anerkennung für seine Erfolge zu erhalten, dann ist man auf dem besten Weg zum Burnout.

Das Sahnehäubchen ist lt. Definition die Entwicklung einer Abneigungen gegen diejenigen, um die man sich eigentlich kümmern sollte: Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten - ein Teufelskreis. Kein Wuder, dass Kokain längst zur Managerdroge avanciert ist und diejenigen unter den Führungskräften bei Laune hält, denen Psychofarmaka nicht mehr helfen.

Laut Angabe der Krankenkassen hat sich die Zahl an Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Den einzigen Schutz bietet Entschleunigung: Die Findung einer ausgewogenen Work-Life Balance, das Runterschalten in den fünften Gang, der Aufbau neuer Energie und ein ausgewogenes Privatleben mit der Pflege von Freundschaften, familiären Kontakten und dem Abbau von Stress…

Kommentare

8 Kommentare zu “Burn-Out, ein Leben in Hochgeschwindigkeit”

  1. andosch schreibt am 18. Juni 2007 um 22:47

    wat?

  2. alex schreibt am 24. Juni 2007 um 18:46

    Ähm… danke, dass meine Seite erwähnt wurde. :)
    Immer wieder schön zu sehen, wer sich auf die eigene Seite verirrt. ;)

  3. rosina schreibt am 9. November 2007 um 12:31

    Schade, der Blog wird wohl nicht so angenommen?
    Aber evtl. tut sich ja noch etwas in den nächsten Wochen.
    Zum Urteil aus 2003, wäre ja mal was neues.
    Zu mir, ich habe seit Jahren psych. Probleme, die nun soweit reichen, dass ich meine selbstständige
    Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Ich bin super privat abgesichert und weiß nicht wie ich vorgehen soll.

  4. Jürgen schreibt am 14. November 2007 um 20:16

    Der Bericht sagt alles. Auch ich leide seit mehreren Jahren unter sehr starken Depressionen.
    Ich war selbständig und konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben. Langer Krankheitsstand und Arbeitslosigkeit waren die Folge.

  5. rosina schreibt am 20. November 2007 um 17:35

    Habe heute Antrag auf Berufsunfähigkeit gestellt.

  6. Rene schreibt am 20. November 2007 um 17:53

    Toi toi toi - ich drücke Dir die Daumen und bin gespannt, ob er problemlos durchgeht. Berichtest Du darüber noch einmal?

  7. rosina schreibt am 22. November 2007 um 08:03

    Hallo Jürgen, erhälst du nun eine Rente? Wie hat sich die Krankheit entwickelt?

  8. rosina schreibt am 22. November 2007 um 08:05

    Rene ich habe da so meine Zweifel. Habe den Antrag nun gestellt, aber ich denke es liegt viel an den Ärzten. Wenn ich so über die Arztbesuche nachdenke, wird mir übel. Alles was mir so Schwierigkeiten bereitet mußte ich den Ärzten regelrecht aufdrängen.

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